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Feyerabend

Vortragsmanuskript Zürich 22. November 2008

(Der Genius Loci Zürich  !! - es sei erinnert an die Vortragsreihe 1983 an der ETH - Zürich unter Leitung von Prof. Dr.Paul Feyerabend, seinerzeit Professor der ETH für Philosophie und Wissenschaftstheorie mit dem Titel:

“Grenzprobleme der Wissenschaften”, dokumentiert in dem gleichnamigen Buch beim vdf Verlag Zürich, ISBN 3-7281 1464 2,

bei ZVAB.com noch für ca. € 15,-- lieferbar.

Das Beste was mir zur Thematik bisher untergekommen ist, und das in einer Universitätsveranstaltung in der ETH.

 

 

und sehr lesenswert zu Paul Feyerabend ist:

 

Feyerabend's Philosophy (Gebundene Ausgabe) von Eric Oberheim (Autor)

"Over the last forty years, there has been a notoriously wide range of interpretations of Feyerabend's views, including many diverse misunderstandings of them ..."

EUR 88,00  -  Gebundene Ausgabe: 321 Seiten   --  Verlag: Gruyter; ,  Oktober 2007,

Sprache: Englisch

* ISBN-10: 3110189070

* ISBN-13: 978-3110189070)

 

 

 

 

 

„Astrologie - Königin der Wissenschaften oder Schmuddelkind der Gesellschaft –

oder: Astrologie, Opfer der Wissenschaftlichen Inquisition-

-eine wissenschaftstheoretische Betrachtung“ –

 

Vortrag auf dem 12. Internationalen Zürcher Symposium für Astrologie der Astrologischen Gesellschaft Zürich (22. / 23. November 2008).

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

vor etwas mehr als 2000 Jahren wurde die Astrologie „Königin der Wissenschaften“ genannt. Möglicherweise war dies auch das erste Mal in der langen Geschichte der Astrologie, daß unser Fach diese Art Zuschreibung erhielt.

Jedenfalls ist mir keine ältere Fundstelle zur Kenntnis gekommen als folgende: In Philo von Alexandria Werke, Dt.  Übersetzung,  Bd. 6, S. 17 „De congressu eruditionis gratia“

Veröffentlicht von Walter de Gruyter

ISBN 3110050374, 9783110050370

277 Seiten

findet sich folgender Text:

„Denn wie man den Himmel als das gewaltigste aller geschaffenen Dinge treffend den König der sinnlichen Welt nennen könnte, so auch die Wissenschaft des Himmels, die von den Astronomen und besonders den Chaldäern betrieben wird, eine Königin der Wissenschaften.“

 

Es spricht viel dafür, daß dies die älteste Quelle ist, wo jedenfalls neben der Astronomie die Astrologie (denn das betrieben die Chaldäer) „auch“ Königin der Wissenschaften ist.

 

Über das Leben Philons von Alexandria ist wenig bekannt. Seine Lebensdaten werden auf etwa 20–10 v. Chr. bis 40–50 n. Chr. geschätzt. Philo wurde von der jüdischen Gemeinde in Alexandria „in höchsten Ehren gehalten“.

 

Daß es sich möglicherweise um die erste zeitgeschichtliche Gleichsetzung dieser Art und, damit gewissermaßen um eine Erfindung von Philo von Alexandria handeln könnte, ergibt sich m.E. daraus, daß zuerst in dem Zitat der Himmel mit König gleichgesetzt wird, und dann erst die Wissenschaft von diesem Himmel als Königin.

Ich muß es den Philologen überlassen, ob das eine denkbare Interpretation darstellt.

 

Seit Philos Zeiten hat sich viel getan.

In einem Zeitsprung machen wir unsere nächste Station im September 1927. In diesem Jahr gab es in den Süddeutschen Monatsheften, München, 24. Jahrgang, auf den Seiten 149 – 216 im Juni-Heft von 1927 eine der wenigen seriösen Darstellungen von Pro und Contra Astrologie im 20. Jhdt.

Ich zitiere hier nur einige wenige Sätze von Hugo Dingler in seinem Beitrag: „Astrologie und moderne Wissenschaft“.

 „Wir sind uns heute klar, daß alle solche Fragen letzten Endes bis an die tiefsten Gründe unseres denkerischen und philosophischen Weltbildes heranreichen und dort gerade sind lebhafte Auseinandersetzungen im Gange. Eigentlich müßte man bei der Behandlung immer zugleich seine ganze Philosophie entwickeln.“

 

Heute wird gegen die Astrologie  von außen immer wieder der Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit erhoben. Astrologisches Denken sei Spekulation, Einbildung, mystisch, im Grunde Humbug, ein überholter, unhaltbarer Aberglaube.

 

 

 

 

 

 

Ein unrühmliches Zeugnis dieser Art Sicht auf die Astrologie legt Prof. Dr. Theodor W. Adorno in der Zeitschrift für Gewerblichen Rechtschutz und Urheberrecht (GRUR) 1961 Heft 12 auf S. 601 ab.

 

 

Zum Thema Meinung – Wahn – und Gesellschaft schreibt er auf S. 12 a.a.O:

 

„Darum genügt es weder für die Erkenntnis noch für eine verändernde Praxis, auf Absurditäten wie die der unsäglich populären Anschauungen hinzuweisen, nach denen Menschen sich selbst den Charakterologien und Prognosen unterwerfen, die eine kommerziell wiedererweckte Astrologie an die Tierkreiszeichen knüpft.“

 

Auch das Oberlandesgericht in Düsseldorf hat sich in seinem Urteil vom 27.02.1953 – 5 U 319/52 nicht mit Ruhm bekleckert, als der fünfte Senat judizierte:

 „Ein Vertrag über das Stellen von Horoskopen auf astrologischer Grundlage ist auf eine objektiv unmögliche Leistung gerichtet, die zur Nichtigkeit führt.“

 

Das Gericht führt weiter aus:

„Eine solche Leistung ist nach dem Stande der Wissenschaft sowohl in naturwissenschaftlichem Sinne als auch im Rechtssinne unmöglich

 

… Der Kläger gibt damit zu erkennen, daß er im Grunde nur der seit Jahrtausenden überlieferten Lehre der Astrologie, die in ihrem Wesen von heidnisch-religiösen Vorstellungen durchsetzt ist, folgt … Dies ist mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen der Neuzeit abzulehnen … die Astrologie .. steht nicht auf dem Boden wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Die breite Masse der vernünftig denkenden Menschen lehnt diese Art der Schicksalsdeutung als Wahnidee und Irrglauben ab. Sie wird in dieser Auffassung auch durch bedeutende Vertreter der exakten Wissenschaften gestützt … Die Astrologie, wie sie von dem Kläger betrieben wird, ist nur ein Sternglaube, dessen Anhänger den wissenschaftlichen Erkenntnissen verschlossen gegenüber stehen.“

 

Den Höhepunkt dieser wissenschaftstheoretischen Hetzjagd auf die Astrologie finden wir dokumentiert in dem kleinen Büchlein

 

„Objections to Astrology“,

Prometheus Books, Buffalo, N.Y. 14215, 1975.

Darin werden Artikel dokumentiert aus der Zeitschrift „The Humanist“, 35, Nr. 5 (September/Oktober 1975).

 

In der genannten Zeitschrift „The Humanist“ wurde ein zweiseitiges Statement abgedruckt, das von 192 Wissenschaftlern unterschrieben wurde, die alle namentlich aufgeführt sind, darunter 19 Nobelpreisträger, wie z.B. Prof. Eccels, Konrad Lorenz und Linus T. Pauling.

 

In dem Statement hieß es u.a.:

 „Wissenschaftler in den verschiedensten Gebieten sind besorgt über die zunehmende Akzeptanz von Astrologie in vielen Teilen der Welt.

Wir, die Unterzeichner, Astronomen, Astrophysiker und Wissenschaftler aus anderen Bereichen möchten die Öffentlichkeit davor warnen, unreflektiert die Ratschläge und Voraussagen zu akzeptieren, die privat und öffentlich von Astrologen gegeben werden. Jene, die an die Astrologie glauben wollen, sollten realisieren, daß es für die Astrologie keine wissenschaftlichen Grundlagen gibt …“

 

Soweit ein erster historiographischer Befund.

 

 

Ein Bogen also vom Thron der Königin der Wissenschaft zum Folterkerker des 20. Jahrhunderts.

 

Wie ist das passiert.

Die 192 Menschen, Wissenschaftler mag ich sie eigentlich nicht nennen, behaupten jedenfalls, durch „wissenschaftliches Wissen“ – durch „wissenschaftliche Wahrheit“.

 

 

 

Damit sind wir im Zentrum einer Fragestellung, mit der sich die Wissenschaftsphilosophie bzw. die Wissenschaftstheorie beschäftigt.

 

Also noch mal gefragt: Was ist wissenschaftliche Wissensgenerierung?

1900 Jahre lang glaubte man auf festem Grund zu stehen und seit der Aufklärung eilte die Wissenschaft von Erfolg zu Erfolg.

1903 meinte der Leiter des Londoner Patentamtes, man könne doch eigentlich das Patentamt schließen, weil mit neueren Entdeckungen nicht zu rechnen sei.

 

Der Mann irrte.

 

Im Gegenteil:

 

Die alten Antworten sind problematisch geworden. Spätestens mit den Planckschen, Einsteinschen, Bohrschen und Heisenbergschen Entdeckungen sind wir bei der Frage nach Wissenschaft eher wieder auf Treibsand angekommen.

 

Aber springen wir noch mal 2000 Jahre zurück. Einige Jahrhunderte vor Philo von Alexandria wurde die Geometrie von Euklid, einem Zeitgenossen des Aristoteles, kodifiziert.

Die entscheidende Wendung in der Mathematik ist damals die Entdeckung, daß es Beweise gibt. Eine Methode, die erläutert, warum eine Behauptung wahr ist.

 

Zeitlose Wahrheit mittels des Beweises.

 

Die Vorstellung war: Der Mensch hat den Logos, weil er Geometrie hat.

 

Geistesgeschichtlich verantwortlich für das radikale, einschneidende Vorgehen der Naturwissenschaft ist also unser spezifisch abendländisches Erbe, die Logik.

 

Logik vermag Dinge zu trennen, auseinanderdividieren, zu isolieren, vom Kontext zu lösen, etc - in einer Schärfe, wie dies vorher oder außerhalb unseres Kulturkreises nicht möglich war.

 

Das Aufkommen der Logik, brachte auch eine veränderte, distanzierte, entfremdete Haltung zu Natur und Seele mit sich, welche sich mit der Renaissance und Reformation endgültig Bahn brach.

 

Mit der aristotelischen Logik und der euklidischen Geometrie kam die Menschheit dann relativ lange aus, bevor neue Antworten nötig wurden. Wir haben also eine erste Phase der Wissenschaftsgeschichte bis etwa 1600 nach Christus, wo Wissenschaft bewiesen wurde.

Von 1600 bis ca. 1850/1900

 

haben wir dann die Sicherheit vom wissenschaftlichen Wissen mittels

 

„der wissenschaftlichen Methode“.

 

Als Urvater dieses Gedankens wird in der Regel Descartes genannt.

Von 1850 bis 1975

 

haben wir dann die dritte Phase des wissenschaftlichen Wissens,

 

wir erinnern uns,

 im letzten Jahr dieser Phase finden wir das bereits erwähnte Dokument der 192 Menschen, die sich Wissenschaftler nennen.

 

Diese Phase ist gekennzeichnet durch die „Fallibilität“ also die Revisionsfähigkeit des Wissens steht im Vordergrund des Denkens.

 

Die letzte Phase bis heute könnte man möglicherweise mit

 

„Pessimistische Metainduktion“ überschreiben werden.

 

Larry Laudan formuliert:

Wie sollen wissenschaftliche Theorien wahr sein, wenn uns die Geschichte lehrt, dass sich noch jede wissenschaftliche Theorie irgendwann als falsch und unhaltbar erwiesen hat? (manchmal wird dieses Argument auch als „pessimistische Meta-Induktion“ bezeichnet)

 

Man könnte auch sagen, die Zeiten sicheren Wissens und insbesondere die Zeiten der wissenschaftlichen Methode sind endgültig vorbei.

 

Der logische Positivismus mit seiner induktiven Herangehensweise ist genau so gescheitert wie Karl Popper mit seiner deduktiven Falsifikationstheorie und auch die Theorien von Thomas S. Kuhn aus den 60iger Jahren des letzten Jahrhunderts lassen uns bei der Frage des nach dem sicheren Wissen ohne Antwort.

 

Am ehesten mag bezugnehmend auf den genius loci hier in Zürich Paul Feyerabend genannt werden, der dazu meinte:

 

„Das übliche Argument für den speziellen Status des wissenschaftlichen Wissens im Vergleich zu den Wissensbehauptungen anderer Traditionen bezieht sich immer noch auf die wissenschaftliche Methode.

Wegen der Existenz der wissenschaftlichen Methode ist Wissenschaft verschieden vom Rest der Welt. Die wissenschaftliche Methode wird üblicherweise dargestellt als ein Satz absolut verbindlicher Vorschriften für wissenschaftliche Praxis. 

 

Nun,

die Geschichte zeigt, daß jede absolut verbindliche Vorschrift für wissenschaftliche Praxis in jeder Wissenschaftsepoche vorsätzlich verletzt wurde zum Vorteil wissenschaftlicher Ergebnisse.

 

Demgemäß gibt es und darf es nicht geben solche verbindlichen Vorschriften für das wissenschaftliche Arbeiten, denn solche Vorschriften würden den Fortschritt der Wissenschaften verhindern.

 

Es gibt also keine wissenschaftliche Methode.

 

Konsequenterweise hat Wissenschaft keinen Anspruch auf einen besonderen Status im Vergleich zu anderen Traditionen, die auch Wissen suchen.

 

In den Wissenschaften gibt es nur pi x Daumen Gesetze.

 

Wissenschaft ist ein Unternehmen ohne fixierte Prinzipien. Wissenschaft ist letztlich opportunistisch.

 

Demgemäß ist jede normative Wissenschaftstheorie, die solche Wissenschaftsvorschriften festhalten will, ein Unternehmen, das zum Scheitern verurteilt ist.

Normative Wissenschaftstheorie ist also Pseudophilosophie.

 

Dies hat natürlich Konsequenzen für die argumentativen Muster und die Politik.

Da Wissenschaft keinen speziellen Status im Vergleich zu anderen Wissenstraditionen beanspruchen kann, muß wissenschaftliche Rationalität in ihrem Anspruch auf Privilegierung scheitern. Dies hat natürlich Folgen in einer demokratischen Gesellschaft hinsichtlich der Zuweisung von Finanzmitteln durch die staatlichen Autoritäten.“

 

Immer dann, wenn Wissenschaftler wie 1975 auf Hexenjagd gehen, sollten sie deshalb durch die gesellschaftspolitischen Kräfte in ihre Schranken gewiesen werden.

Alle praktizierten Wissenstraditionen haben demokratisch den gleichen Anspruch auf Unterstützung.

 

 

In den universitären Fächern von heute gilt die Verwendung von Statistik allgemein als Kriterium von Wissenschaftlichkeit. Die Empirie, Datengewinnung wird regelrecht darauf zugeschnitten, wie sie sich am besten statistisch verrechnen lasse. Das heißt, eine Fragestellung, Forschungsidee, Theorie unterwirft sich den Maßstäben und impliziten Grundannahmen des statistischen Weltmodells und somit dem Diktat einer Rechentechnik.

 

Wohl der bekannteste Forscher zu astrologisch – statistischen Zusammenhängen, Gauquelin ließ von vorneherein nur statistisch prüfbare Hypothesen zu. Dafür musste er jedoch die Bedeutungsfülle der astrologischen Symbole erheblich reduzieren, sie zu einfachen Merkmalslisten einengen. Mit ihrem Ja/ Nein - bzw. Plus/ Minus - Charakter können solche Listen dem astrologischen Symbolgehalt nicht mehr gerecht werden, gehen an Wesentlichem vorbei. Die Ganzheitlichkeit, Vielschichtigkeit schon eines einzelnen astrologischen Faktors geht verloren, der inhaltliche Bezug zum ganzen Horoskop (von dem ein Planet in seiner Position und Funktion ja integraler Bestandteil ist), bzw. zu Dingen wie Schicksal oder Sinn sowieso. Übrig bleibt eine Primitivastrologie, welche über das Niveau der Boulevardpresse, d.h. einen Unterhaltungs- und Belustigungswert, nicht hinausgeht.

 

Statistik ist unpersönlich, entindividualisierend, entmenschlichend. In ihr wird das Einzigartige, Individuelle, das Wertvollste, Höchste des Menschseins, nivelliert - und zwar schon im einfachen Balkendiagramm.

 

Suggeriert wird Wissenschaftlichkeit, Objektivität, "Wahrheit", doch handelt es sich eigentlich um Zahlenspiegelei, um eine Gaukelei, denn bewiesen wird dadurch nichts. Über Zusammenhänge von Ursache und Wirkung wird keine Aussage getroffen.

 

Wie können dann Astrologen - die täglich mit solchen Urqualitäten, Urprinzipien umgehen - geistige Inhalte mit physikalischen Methoden, d.h. mit den Maßstäben ihrer Gegner messen wollen?

Diese Selbstaufgabe eines Kernstücks der eigenen Überzeugung ist in religiöser Terminologie nichts anderes als ein Glaubensverrat bzw. Götzendienst, eine Anbetung des goldenen Kalbs, eine Opferung des Allerheiligsten an fremdem Altar.

Es kommt einem Abschneiden der eigenen Wurzeln gleich; existentiell läuft es auf eine Selbstvernichtung hinaus.

 

Statistische Methoden sind dort angebracht, wo es um eine erste Sichtung geht, wo in neu gewonnenem empirischen Material eine vorläufige Ordnung zu schaffen ist. Statistik eröffnet die Möglichkeit, nach vorgegebenen Kriterien Daten zusammenzufassen - per Computer erfolgt dies zudem noch recht schnell. Die jeder Forschung vorauszugehenden Hypothesen, das eigene Nachdenken und Überlegen kann sie jedoch keinesfalls ersetzen - geschweige denn eine Theorie beweisen.

 

In der Öffentlichkeit herrscht noch weitgehend ein naives Bild von Wissenschaft. Mit dem Begriff "wissenschaftlich" verbindet man die Vorstellung einer gesicherter Erkenntnis, des absolut Richtigem. In Forschern und Wissenschaftlern vermutet man gerne unhinterfragt Seriosität, Redlichkeit, ein hohes Ethos. Dabei müsste eigentlich stutzig machen, dass die Halbwertzeit wissenschaftlicher Erkenntnisse immer geringer wird, angeblich gesicherte Theorien oft schon innerhalb einer Generation hochoffiziell "beerdigt" werden. Was als wissenschaftlich gilt oder anerkannt wird, ist in hohem Maße abhängig von historischen, kulturellen und soziologischen Faktoren. Das Etikett "wissenschaftlich" ist jedenfalls kein Garant für Objektivität, Rationalität oder gar Wahrheit.

 

 

Das beste Beispiel dafür ist in der heutigen Wissenschaftstheorie die pessimistische Metainduktion:

 

Die pessimistische Metainduktion ist ein wichtiges Argument gegen den wissenschaftlichen Realismus. Letzteres ist die Position, dass wir vom (empirischen) Erfolg von wissenschaftlichen Theorien auf ihre Wahrheit schließen dürfen. Aus dem

wissenschaftlichen Realismus, also diesem Schluss vom Erfolg auf die Wahrheit, ergibt sich offensichtlich, dass die gegenwärtig akzeptierten und sehr erfolgreichen Theorien wie die Evolutionstheorie, die Atomtheorie oder die Plattentektonik wahr sind. Wenn jedoch die pessimistische Metainduktion zutrifft, dann ist der wissenschaftliche Realismus unterminiert, denn alle Theorien, die zunächst erfolgreich waren, später aber widerlegt wurden, sind Gegenbeispiele gegen den Schluss vom Erfolg auf die Wahrheit und zeigen deswegen, dass dieser Schluss nicht haltbar ist.

In der Geschichte der Wissenschaftstheorie gewinnt also. die Metainduktion.

 

Im Grunde ist die von den Naturwissenschaftlern stets propagierte und geforderte Objektivität ein Ding der Unmöglichkeit. Es gibt sie nicht, kann sie gar nicht geben. Jedes Erkennen wie Wahrnehmen, Beschreiben, Urteilen ist subjektiv und damit relativ, geht nämlich von bestimmten Voraussetzungen/ Vorannahmen aus.

Es gibt keine unmittelbare Erfahrung. Eine Beobachtung ist immer vermittelt durch die vorhandenen Wahrnehmungs- und Denkstrukturen oder Meßgeräte.

 

Wissenschaft ist zum guten Teil  auch eine Machtfrage. So wie sich die Mehrheit der Forscher geeinigt hat, wird ein Kanon von Wahrnehmungs-, Denk- und Prüfmethoden formuliert, um das vermeintlich "Unwissenschaftliche", "Irrationale", "Subjektive", etc. auszuschließen.

 

Naturwissenschaft ist - wie jedes Weltbild - lediglich eine Konstruktion. Sie erfaßt nur einen Ausschnitt, einen Bruchteil der lebendigen Wirklichkeit. Der Wissenschaftsanalytiker Kuhn zeigte, daß sich Forschungsansätze, Paradigmen so grundsätzlich unterscheiden können (wie z.B. das Ptolemäische und das Kopernikanische Weltbild), daß sie nicht direkt miteinander vergleichbar, theoretisch wie praktisch unvereinbar, inkommensurabel sind. Jedes Paradigma besitzt eine ihm eigene Sprache bzw. verwendet - teilweise dieselben - Begriffe auf verschiedene Weise. Jedes verfügt über eigene Wahrnehmungsarten, eigene Erfahrungswege und Forschungsmethoden, eine eigene Auffassung von Rationalität und Wahrheit - und natürlich eine eigene Kosmologie.

Externe, "objektive" Kriterien zur Prüfung des Wahrheitsgehaltes eines Paradigmas können nicht erstellt werden. Es gibt keine allgemeingültigen Richtlinien zur Beurteilung eines kompletten Weltbildes; von außen ist keines widerlegbar.

 

 

In der Geschichte der Wissenschaften erfolgten Paradigmenwechsel - die Ablösung eines etablierten Forschungsprogramms - stets dadurch, daß sich dessen Ungereimtheiten (Anomalien) mehrten, das Paradigma außerdem unter gesellschaftlich-kulturellem Druck stand, und schließlich an seinen inneren Widersprüchen zerbrach.

 

Dem Wissenschaftstheoretiker Feyerabend ist die "anerkannte" Wissenschaft suspekt. Er hält die heute beherrschende Stellung bzw. das Diktat der Naturwissenschaften für ungerechtfertigt. Schließlich erbringe jedes Weltbild Resultate bzw. erzeuge Erfahrungen ("Tatsachen"), die es unterstützen. Was "Wissenschaftlichkeit" überhaupt ausmacht, läßt sich nicht definieren, nicht verbindlich festlegen. Keinesfalls garantiert werden kann nach Feyerabend die Güte einer Forschung mittels Aufstellen bestimmter methodischer Regeln (wobei man diese in der Praxis sowieso nie einhält bzw. die fruchtbarsten Forschungsergebnisse interessanterweise oft Folgen von Regelverletzungen sind). Und die bloße Macht und Dominanz eines wissenschaftlichen Ansatzes kann natürlich ebensowenig Wahrheit verbürgen, eher im Gegenteil.

 

Die moderne Wissenschaft steht laut Feyerabend dem Mythos demnach näher als man glaubt. Sie ist "nur eine der vielen (möglichen) Formen des Denkens, die der Mensch entwickelt hat" - und nicht unbedingt die beste. Sie sei "auf ihren Platz zu verweisen ..." Will man trotz solcher Relativierungen noch ernsthaft Wissenschaft betreiben, so wäre sie schlicht zu sehen als "Beschreiben", "Artikulieren", "Formulieren", als ein "Auf-den-Begriff-Bringen" von Beobachtungen bzw. als ein schrittweises Herausschälen der hinter den Phänomenen liegenden Strukturen und Zusammenhänge. Der Geist des Forschers, seine - zugegeben subjektive - Haltung/ Einstellung, sein persönlicher Versuch der Unvoreingenommenheit, sein authentisches Ringen um Wahrheit und Überwindung von Selbsttäuschung scheinen dabei wichtiger zu sein als das strikte Befolgen von methodischen Vorschriften (im Sinne von Goethes "wer immer strebend sich bemüht ")…

 

Astrologie kann mit mindestens ebenso großer Berechtigung gelten wie andere Beschreibungen der Wirklichkeit.

 

Zur Zeit will die Gesellschaft dem Astrologen als Vertreter einer offiziell überholten, primitiven Wissensform (eines Relikts aus "finsterer Urzeit") keinen Status, keine wirkliche Anerkennung zubilligen.

 

Doch zur astrologischen Tätigkeit gehört es mit Notwendigkeit dazu, auch Außenseiter, Waldschrat oder vielleicht sogar Kräuterhexe, nomadisierende Zigeunerin zu sein - gerade in solch materialistischer, atheistischer Epoche.

 

Der Astrologe muß Einzelgänger, statuslos sein, damit seine Kanäle zum Transzendenten, Überpersönlichen geöffnet bleiben, seine Verbindung zu den Symbolen, zu Bedeutung und Sinn bestehen bleibt.

Er ist "Sprachrohr der Götter", ein Übersetzer, Mittler zwischen Himmel und Erde.

Wenn er sich verweltlicht, materiellen Werten und Versuchungen erliegt, "reißt" sein "Draht nach oben", gehen ihm seine Fähigkeiten abhanden. Es ist sogar von enormem Vorteil, außerhalb der Gesellschaft zu stehen, d.h. nicht abhängig zu sein, sich gerade nicht einbinden, geistig normieren, maßregeln oder korrumpieren zu lassen - auch nicht von der eigenen Herde/ der Bezugsgruppe ,dem astrologischen Berufsstand. - Denn wer etwas zu verlieren hat, und sei es nur seinen guten Ruf, ist nicht mehr frei die Wahrheit zu sagen.

 

Die klassisch naturwissenschaftliche, polarisierende Sicht greift nicht bei der viel älteren Astrologie.

Begriffe wie Theorie und Empirie werden ihr nicht gerecht. Als eigenständige Kosmologie entzieht die Astrologie sich fremden Schemata bzw. Kategorisierungen.

Sie ist sowohl subjektiv wie objektiv, theoretische Aussagen sind in ihr mit empirischen Beobachtungen verwoben.

Sie ist weder das eine noch das andere, steht als Wissensgebiet vielmehr jenseits dieser Trennung. Sie ist umfänglicher, ganzheitlicher, eingebettet in ihren eigenen weltanschaulichen Kontext. Astrologie existierte schon lange vor der abendländischen Geistesspaltung, sie ist archaischer - und in gewissem Sinne auch moderner.

Von der Gesellschaft und den Medien wird verkannt, daß heute viele nicht "noch", sondern "wieder" an die Astrologie glauben. Astrologie muß kein "primitiver Kinderglaube" - an finstere, verflossene Gottheiten - sein, sondern ist auch zu sehen als eine bewußte, durch Krisen gereifte Überzeugung des Eingeordnetseins in größere Sinnzusammenhänge.

Die neuerliche Hinwendung zur Astrologie ist Teil einer spirituellen Bewegung, die sich individuell wie kollektiv gegen Sinnlosigkeit, Atheismus und Materialismus wendet.

Das wiedererwachte Interesse an der Astrologie ist auch ein Ergebnis der generellen gesellschaftlichen Psychologisierung, d.h. des verstärkten individuellen wie kollektiven Prozesses der Selbstbeobachtung, -kritik und -infragestellung, der zunehmenden Selbstbewußtwerdung.

Das Phänomen zeigt Parallelen zur naturnahen Lebensweise, welche heute nicht mehr instinktiv, sondern bewußt, begründet erfolgt: angesichts der zu befürchtenden ökologischen Katastrophe begreift man sich wieder als integralen Teil des Ganzen.

 

Aus wissenschaftstheoretischer Sicht besitzt Astrologie einerseits eine empirische Grundlage, nämlich die konkreten Beobachtungen, Erfahrungen mit den Auswirkungen von Konstellationen; andererseits verfügt sie auch über eine theoretische Verankerung - vor allem über die Überlieferungen, was eine Konstellation abstrakt, als Idee, Bild bedeutet.

Astrologische Erkenntnis umfaßt gewissermaßen beide Ebenen, Theorie wie Empirie.

Die urtypischen Bilder, Symbole  lenken als geistige Kategorien die Wahrnehmung, sie dienen uns als Begriffsstrukturen zur Einordnung und Bewertung konkreter Gegebenheiten - etwa in dem Sinne, wie Plato vom "Wissen als Wiedererinnern" sprach oder Rudolf Steiner von seiner Geisteswissenschaft als dem "Wiederfinden geistiger Inhalte in der physischen Welt".

Astrologisches Erkennen ist sowohl deduktiv ,theoriengeleitet, als auch induktiv, aus Beobachtungen schließend.

Der Erkenntnisprozeß bewegt sich von beiden Polen zugleich vorwärts bzw. nähert sich im Nacheinander, Wechsel dieser Ebenen allmählich der Wahrheit an.

 

In der Astrologie spielen die offiziell verpönten Erkenntniswege der Medialität, Evidenz oder Intuition eine zentrale Rolle. Wer diese Erkenntniswege von vornherein in der Bereich des Vor- oder Unwissenschaftlichen verweist, verschließt sich wesentlichen Quellen.

 

Denn diese Methoden müssen keine mystischen Erscheinungen, keine unerklärlichen, "übernatürlichen" Vorgänge bleiben. Sie sind der bewußten Analyse, näheren Untersuchung und Erforschung durchaus zugänglich; sie sind weiter differenzier- und spezifizierbar, geisteswissenschaftlich ausbaufähig. Die sog. dunklen, okkulten, Pfade des Wissens sollen und müssen vom Licht des Bewußtseins durchdrungen, allgemeiner zugänglich, verständlicher werden.

 

Die naturwissenschaftliche Haltung des Prüfens, Hinterfragens, der Kritik und Selbstkritik ist zeitgemäß, für uns heute richtig und notwendig.

Zusammen mit der Entwicklung des Ichs, der Individualisierung, ist sie in der psychologischen und kulturellen Evolution die wichtigste Errungenschaft der vergangenen Jahrhunderte. Diese kritische Haltung überwand die mittelalterliche Naivität, die romantische Schwärmerei, unsere Gefangenschaft im Mythos, unser blauäugiges "Nur-Glauben". Doch sollten Form und Inhalt nicht verwechselt, das Kind nicht mit dem Bade ausgeschüttet werden.

Naturwissenschaftliche Denkmethodik ist nicht gleichbedeutend mit einem halsstarrigen, materialistischen Leugnen der Existenz geistiger Welten - sondern ließe sich gerade auch auf sog. Mystisches oder Archaisches anwenden.

Die Methoden des Beschreibens, Vergleichens, Zergliederns und Abstrahierens könnten die "geheimnisvollen Gegenstände und Gestalten" der geistigen Welt genauer und klarer fassen.

 

Als moderne Geisteswissenschaft hätte die Astrologie jedoch zuvorderst ihre größtenteils unbewußten Voraussetzungen zu klären. Sie hätte sich ihrer  historischen wie inhaltlichen Verwurzelung im Magischen und Medialen bewußt zu werden, sie müßte ihre okkulte Vergangenheit, ihr archaisches, mystisches Erbe und Wesen annehmen.

Täuschung und Selbsttäuschung lassen sich auf diesem Gebiet nicht vermeiden, doch dies ist bei den angeblich "objektiven" Wissenschaften nicht anders.

 

Auch Intuition, Medialität und Evidenz sind gangbare Erkenntniswege, ja, eigentlich sogar näher dran an den im Unbewußten verankerten Urbildern, dabei nicht ohne regelhafte Voraussetzungen, Bedingungen ,derlei Methoden bedürften jedoch der kritisch-rationalen Kontrolle.

Jede Geisteswissenschaft setzt die Existenz von abstrakten, ideellen Gegenständen voraus.

Die in der Astrologie so zentrale Methode des Analagieschlusses verweist auf noch höhere ,transzendente Wirkebenen und -prinzipien .

Von diesem Jenseitigen, Übersinnlichen bzw. Überirdischen kann die Himmelsschrift nicht sinnentstellend isoliert oder abgekoppelt werden.

 

Astrologie ist älter als die Spaltung in Subjekt und Objekt bzw. Theorie und Empirie, älter ,d.h. dem ursprünglichen Zustand der Einheit näher als künstlich trennende Logik.

Historisch war die Sternenkunde immer eingebettet in einen metaphysischen Zusammenhang, kurz: eine religiöse Kosmologie.

Dort liegen ihre Wurzeln , findet sich ihre Identität.

Auch heute ergänzen sich Astrologie und Glaube .

Konzepte wie Vorsehung, Karma, und die Sternenweisheit passen nahtlos ineinander.

Der Astrologe war von altersher ein "Sprachrohr der Götter", ein Mittler zwischen den Welten.

 

Anstatt blind drauflos zu forschen, nach Beweisen  zu suchen bzw. reihenweise Statistiken zu produzieren, wäre zuvorderst die erkenntnistheoretische Basis zu sichten bzw. Grundlagenforschung zu betreiben.

 

Mit der Idee der Wissenschaft verbindet sich die Idee der Rationalität, und zwar der unteilbaren Rationalität, die keine Privilegien für einzelne, fachspezifische Wissenschaften kennt und so die ungeteilte Wissenschaftskultur hervorbringt.

 

Warum wird in der Wissenschaft überhaupt bewiesen? Die Verbindung zwischen Wissenschaft, Tatsache und Beweis gilt als selbstverständlich. Wir beweisen unsere Behauptungen, weil sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts in den Naturwissenschaften das Ideal und das Ethos der aperspektivischen Objektivität durchgesetzt hat.

 

Mit anderen Worten, es hat sich die Vermutung behauptet, daß ein glaubwürdiger Beweis von allen Absichten des Menschen frei sein müsse.

In der Astrologiewissenschaft läßt sich aber auf diese Weise nichts beweisen. Die Astrologiewissenschaft zählt vielmehr zu den anthropologisch-empirischen Wissenschaften, die als Beweismethode die unvollständige Induktion anwenden.

Man ist dabei darauf angewiesen, mit endlich vielen singulären Tatsachen zu kalkulieren, die sich aufgrund dessen nicht in eine Verallgemeinerung überführen lassen, sondern nur auf eine empirische Hypothese. Diese muß ihrerseits wieder mit wissenschaftstheoretischen Mitteln beurteilt werden.

 

Die Astrologiewissenschaft wird also vor eine der ältesten Fragen in der Erkenntnistheorie gestellt: Wie können wir mit ausreichender Sicherheit angeben, wann allgemeine astrologiewissenschaftliche Sätze, die den Gültigkeitsanspruch erheben, als begründet anzusehen sind?

Dabei geht es nicht darum, aus der Astrologiewissenschaft eine wissenschaftstheoretische Disziplin zu machen. Was Astrologiewissenschaft anzustreben hat, ist, wie sich das Gesagte begründen läßt ggf. mittels des Argumentationsmusters der Evidenz.

In der Erkenntnistheorie bezeichnet Evidenz eine Einsicht, die nicht methodologisch vermittelt wurde.

Man unterscheidet in der Regel zwischen der objektiven und der subjektiven Form von Evidenz. Die subjektive Evidenz ist typisch für mystische Erkenntnis- und Rationalitätstypen und heißt ungefähr so viel wie das unmittelbare Sehen des Wahren und Wirklichen.

Beweisen läßt sich mit Evidenz nichts, mit Ausnahme dessen, daß die Tatsachen da sind.

 

Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gibt es eine wissenschaftstheoretische Grundlagendiskussion um die Frage der Selbständigkeit der Geisteswissenschaften. Diese Debatte könnte für die Astrologieforschung von Bedeutung sein.

Seit Dilthey wissen wir, daß die Natur erklärt wird, daß Seelenleben aber verstanden wird. Für den Astrologiewissenschaftler stellt diese Aufteilung ein Problem dar. Astrologie erklärt nämlich einerseits, was sie empirisch erforscht unter Verwendung von Beobachtungssätzen, also deskriptiven oder faktischen Aussagen, zugleich aber „versteht“ die Astrologiewissenschaft das zu erklärende unter Verwendung der Sätze, die angeben, was ist, wie es ist, und warum es so ist.

Die Kritiker der Astrologie verlangen nun, daß man darüber aufgeklärt wird, was verstehen und was erklären in Sachen Astrologie sei. Fraglich ist nun also, was im letzten die Astrologiewissenschaft lenkt, was also wissenschaftstheoretisch „astrologische“ Regeln sind.

Jede Wissenschaft entwickelt die Erkenntnis ihres Forschungsobjektes und ihre eigenen theoretischen und methodologischen nach bestimmten Regeln.

Für die Astrologiewissenschaft ergeben sich daraus Probleme:

  • 1. Was heißt der Begriff „Regel“ in der Astrologiewissenschaft; was heißt „einer astrologischen Regel folgen“.
  • 2. Das Problem der gegenständlichen Bestimmung: Welche Gestalt haben die astrologischen Regeln.
  • 3. Das Problem der funktionalen Bestimmung: Welche Funktionen erfüllen die astrologischen Regeln in der Astrologie.
  • Diese Fragestellungen werden nun zusätzlich kompliziert, weil jede Wissenschaft Regeln ihres eigenen erkenntnistheoretischen Verkehrs entwickelt. Dabei sind die Regeln der Forschungstätigkeit nicht identisch mit den Regeln der erforschten astrologischen Tätigkeiten.

     

    Zur Zeit mangelt es der Astrologiewissenschaft an methodischer Skepsis, wenn sie ihre Grundlagen reflektiert. Sie hält vieles für selbstverständlich, was keineswegs selbstverständlich ist. Die Grundlagenproblematik der Astrologiewissenschaft betrifft Argumentationsführung, Beweis, Aussagenbegründung, Begriffsbildung, Deutung von Empirie, methodologische Basis, Definition des Erkenntnisgegenstandes, Axiomatisierung, Eliminierbarkeit von Antinomien, Rationalitätstypus und die durch ihn bestimmte Ableitungsformen, und die Regeln des astrologiewissenschaftlichen Betriebes.

     

    Letztlich geht es um die argumentative Rekonstruktion einer zum astrologischen Wissen erklärten Tatsache, will die Astrologiewissenschaft nicht als bloße Erzählung mit einem immer und für alles offenen Ende wahrgenommen werden.

     

    Dann ist es auch nicht so wichtig im Ergebnis, ob wir die Astrologiewissenschaft als Geisteswissenschaft, Kulturwissenschaft, Humanwissenschaft oder Sozialwissenschaft bezeichnen.

     

     

    Astrologische Forschung hätte gemäß der Eigenart des Wissenssystems selbst zu erfolgen, d.h. mittels ureigener Methoden und Prüfinstanzen. Fremde Maßstäbe sind  fehl am Platz

    Und so kann dann aus Aschenputtel, dem Schmuddelkind der Gesellschaft, zumindest wieder die Prinzessin werden.

     

    Bei der Recherche zum heutigen "erkenntnistheoretischen Status der Astrologie" bin ich neben der  Dissertation von Peter Niehenke: "Kritische Astrologie" auf diese Bücher gestoßen:

    1.) The Moment of Astrology: Origins in Divination

    by Geoffrey Cornelius

    2.) Astrology, Science and Culture: Pulling Down the Moon by Patrick Curry / Roy Willis

    3.) Cosmos and Psyche: Intimations of a New World View

    by Richard Tarnas

    4.) Astrology in the Year Zero (Astrology Now) by Garry Phillipson undFrank C. Clifford

    5.) Seeing with Different Eyes: Essays in Astrology and Divination

    by Patrick Curry and Angela Voss

    6.) The Imaginal Cosmos: Astrology, Divination and the Sacred

    by Angela Voss und Jean Hinson Lall

    7.) Cosmic Loom: The New Science of Astrology

    by Dennis Elwell

    8.) Ronald Giere: "Understanding Scientific Reasoning",Fourth Ed.

     

    Im In ternet gab es das beste Material hier:

    CURA, le Centre Universitaire de Recherche en Astrologie

    http://cura.free.fr

     

    Volker H. Schendel

    Herausgeber der „Apokryphen der Astrologie“ im Astronova – Verlag.

     

    http://www.astronova.de/8201--~Shop~produktauthor.html?folderid=221901&author=7223333

     

    Anhang:

     

    Paul Feyerabend wurde 1924 in Wien geboren. Als Sohn einer Mittelstandfamilie besuchte er ein Realgymnasium und war ein Schüler mit überdurchschnittlichen Leistungen. Die Eltern hatten aufgrund von Krieg und Inflation lange gewartet, bevor sie ihr erstes und einziges Kind bekamen, Paul Feyerabends Mutter war bei seiner Geburt bereits 40 Jahre alt. In Kontakt mit der Philosophie kam Feyerabend nach eigenen Angaben durch einen Zufall: „Wenn man sich nach Literatur umsah, die zum Verkauf bestimmt war, konnte man tonnenweise Bücher für nur ein paar Groschen erwerben. […] Ich konnte es nicht vermeiden, daß hin und wieder auch ein Band von Plato, Descartes oder Büchner (dem Materialisten, nicht dem Dichter) darunter waren. Ich habe diese unerwünschten Zugaben dann wohl aus Neugier gelesen oder einfach, weil ich dafür bezahlt hatte.“ [1]

    Im März 1938 wurde Österreich Teil des deutschen Reiches, am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg und veränderte das Leben des 15-Jährigen. Feyerabends Eltern begrüßten den Anschluss, Feyerabend beschreibt sein Verhältnis zu den Nazis als naiv und relativ emotionslos. Er wurde nicht zu einem glühenden Anhänger, reagierte jedoch auch auf die im Krieg erlebten Grausamkeiten nicht mit Empörung. 1940 begann Feyerabend mit dem Reichsarbeitsdienst, 1942 wurde er Teil eines Pionierkorps, 1943 besuchte er eine Offiziersschule. Er wurde für die Ausbildung nach Jugoslawien geschickt; nach Feyerabend war die Offiziersschule insbesondere ein Weg, den Kriegseinsatz zu umgehen. In Jugoslawien erfuhr er vom Selbstmord seiner Mutter, ein Ereignis, das ihn damals nicht sehr bewegte. Feyerabend wurde noch im September 1943 nach Russland geschickt, wo er sich nach eigenen Angaben leichtsinnig und theatralisch verhielt und dafür bis zum Leutnant befördert wurde.

    Im letzten Kriegsjahr wurde Feyerabend auf dem Rückzug von mehreren Kugeln in den Magen und die Hand getroffen. „Ich verspürte keinen Schmerz, aber ich war überzeugt, daß meine Beine getroffen waren. Einen Augenblick sah ich mich im Rollstuhl an einer endlosen Bücherwand entlangfahren – ich war fast glücklich. Die Soldaten, die schleunigst aus dem Kampfgebiet kommen wollten, standen um mich herum, hoben mich auf einen Schlitten und zogen mich weg. Für mich war der Krieg vorbei.“ [2] Feyerabends schwere Verletzungen bewirkten, dass er sein Leben lang starke Schmerzen hatte, an einem Stock gehen musste und impotent geworden war. Er wurde in eine Klinik in Apolda gebracht; nach Kriegsende studierte er für ein Jahr Gesang im nahen Weimar.

    Studienzeit

    1947 kehrte Feyerabend aus Weimar nach Wien zurück. Seine frühere Leidenschaft – die Physik – schien ihm nach Kriegsende lebensfremd und so begann er mit dem Studium der Geschichte und Soziologie. Bald langweilten ihn jedoch seine Vorlesungen und so wechselte er noch im gleichen Jahr zur Physik. Unter den Physikern an der Universität Wien machte insbesondere Felix Ehrenhaft Eindruck auf Feyerabend. Bald kam er durch Victor Kraft zudem in Kontakt mit der akademischen Philosophie. Kraft war im Gegensatz zu den anderen bekannten Mitgliedern des Wiener Kreises in Österreich geblieben und hatte um sich eine Gruppe von Philosophen und Studenten versammelt – den so genannten „Kraft-Kreis“. Unter ihnen war auch Feyerabend, der im Kraft-Kreis die Gelegenheit bekam, mit Philosophen wie Walter Hollitscher, G.E.M. Anscombe oder Ludwig Wittgenstein zu diskutieren. In dieser Zeit übernahm Feyerabend zentrale Überzeugungen des logischen Empirismus: „Das war übrigens die Haltung bei all meinen Diskussionbeiträgen: die Wissenschaft ist die Grundlage des Wissens, Wissen ist empirisch, nicht-empirische Überlegungen sind entweder Logik oder Unsinn.“[3]

    Entscheidend für Feyerabends weitere Entwicklung wurde das Forum Alpbach, an dem er 1948 erstmals teilnahm. In Alpbach lernte Feyerabend Hanns Eisler, Bertolt Brecht und nicht zuletzt Karl Popper kennen. Das Angebot bei Brecht als Assistent zu arbeiten schlug Feyerabend aus.[4] Stattdessen wollte er nach seiner Promotion 1951 mit einem Stipendium des British Council bei Wittgenstein in Cambridge studieren. Da Wittgenstein jedoch 1951 verstarb, ging Feyerabend zu Popper an die London School of Economics and Political Science. Der Einfluss Poppers wurde in mehrfacher Hinsicht bestimmend für Feyerabends philosophische Entwicklung. Zunächst übernahm er den Falsifikationismus und wurde tief von Poppers Denken geprägt. Später wandte er sich jedoch von Poppers kritischen Rationalismus ab und machte ihn zum Hauptfeind des eigenen wissenschaftstheoretischen Anarchismus.

    Von Bristol nach Berkeley

    1955 bekam Feyerabend seine erste akademische Stelle an der University of Bristol, wo er eine Vorlesung über Wissenschaftstheorie zu halten hatte. Die Stelle war wohl nicht zuletzt dem Einfluss Poppers zu verdanken, allerdings zeigten sich nach Feyerabend erste Brüche: John Watkins „[…] ging mit ernstem Gesicht auf und nieder und hielt mir eine Strafpredigt, weil ich ein schlechter Popperianer war: zu wenig Popper im Text meiner Aufsätze und schon gar keinen Popper in den Fußnoten. Als ich ihm dann im Detail erklärte, daß man an einigen Stellen doch ein bißchen Popper herauslesen konnte, gab er einen Seufzer der Erleichterung von sich, führte mich ins Wohnzimmer und erlaubte mir zu essen.“ [5] Feyerabends Schriften der 1950er und frühen 1960er Jahre sind dennoch stark durch Poppers Falsifikationismus geprägt. [6] Während seiner Zeit in Bristol heiratete Feyerabend zum zweiten Mal, die Ehe wurde jedoch, wie auch schon die erste, schnell geschieden. In dieser Situation war Feyerabend glücklich, dass ihm 1958 das Angebot gemacht wurde, ein Jahr an der University of California, Berkeley zu verbringen.

    Berkeley wurde für über 30 Jahre zum Hauptwohnsitz von Feyerabend. Der Wechsel von Europa in die USA war auf verschiedene Weisen prägend: Zunächst kam Feyerabend insbesondere durch seine Besuche am Minnesota Center for the Philosophy of Science schnell in engen Kontakt mit der amerikanischen Philosophieszene. Unter den Bekanntschaften waren zum einen viele alte Vertreter des Wiener Kreises wie Herbert Feigl, Rudolf Carnap und Carl Gustav Hempel, aber auch jüngere Vertreter der amerikanischen analytischen Philosophie wie John Searle und Hilary Putnam. 1965 veröffentlichte Feyerabend seine erste ausführliche, wissenschaftstheoretische Schrift, Problems of Empiricism. [7] Dieser lange Essay enthält bereits viele radikale Überlegungen, basiert jedoch auf einem philosophischen Realismus und führte Feyerabend noch nicht zu einer unbedingten Konfrontation mit der zeitgenössischen Wissenschaftsphilosophie.

    Des Weiteren war das politische Klima Berkeleys und der San Francisco Bay Area prägend: 1964 machte die Free Speech Movement Berkeley zum linksrevolutionären Zentrum der USA, drei Jahre später war die Hippiebewegung im benachbarten San Francisco mit dem Summer of Love auf ihrem Höhepunkt angelangt. Feyerabend hat in seinen Schriften immer wieder betont, dass die Erfahrungen mit den politischen Bewegungen und der Multikulturalität der Bay Area seine philosophischen Gedanken stark geprägt haben. So erklärt er etwa in Bezug auf die multikulurelle Studentenschaft: „Wer war ich, um diesen Menschen zu erklären, was und wie sie denken sollten? Ich hatte keine Ahnung von ihren Problemen, obwohl ich wusste, dass sie viele Probleme hatten. Ich kannte nicht ihre Interessen, ihre Gefühle, ihre Ängste, ihre Hoffnungen […]. Denn diese Aufgabe [gemeint ist das Dozieren der Tradition des westlichen Rationalismus] war die eines gebildeten und vornehmen Sklavenhalters. Und ein Sklavenhalter wollte ich nicht sein.“ [8]

    Feyerabends lange Zeit in Berkeley änderte jedoch nichts an seiner Rastlosigkeit und der Unzufriedenheit mit seiner neuen Heimat. Über die Jahre nahm er viele (Gast-)Professuren an, ohne jedoch an einem Ort vollständig zufrieden zu sein. Längere Zeit verbrachte er in London und Berlin, wo er ebenfalls mit den Studentenbewegungen in Kontakt kam. Weitere Stationen waren Auckland, Kassel, Sussex und Yale.

    Der Anarchist in der Wissenschaftstheorie

    In den 1960er Jahren hatte Feyerabend einige unkonventionelle Ideen publiziert, sich langsam vom kritischen Rationalismus gelöst und sich in Berkeley mit seinem unsteten Lehrstil einige Feinde gemacht. Insgesamt hatte er sich jedoch eine Reputation als ernstzunehmender und geachteter Wissenschaftstheoretiker erarbeitet. Die folgenden Jahre sollten diese Situation verändern. 1970 veröffentlichte Feyerabend einen Aufsatz mit dem Titel Against Method, in dem er die bekannten wissenschaftstheoretischen Methodologien angriff.[9] Seine Position entwickelte sich von einem liberalen und realistischen Methodenpluralismus zu einem relativistischen Angriff auf die Methodologie im Allgemeinen.

    Mit seinem Freund Imre Lakatos plante Feyerabend eine gemeinsame Publikation zur Methodendebatte in der Wissenschaftstheorie. Lakatos sollte die Methode der Falsifikation gegen Feyerabends wütenden Attacken auf jede Form von methodologischen Regeln verteidigen. Lakatos verstarb allerdings 1974 und Feyerabend veröffentlichte seine Kritik unter dem Titel Against Method. Outline of an anarchistic Theory of Knowledge als Monographie. Das Buch machte Feyerabend mit dem Slogan „anything goes“ über die Grenzen der Wissenschaftstheorie bekannt. In einer der positiveren Rezensionen des Buches finden sich häufig angeführte Bedenken: „Wider den Methodenzwang ist ein gutes Buch, vielleicht sogar ein großes. Es ist voll mit Widersprüchen, Über- und Untertreibungen und genügend Ad-hominem-Angriffen, um sogar dem liberalsten Studenten einen rhetorischen Hirnschlag zu verpassen.“ [10]

    Plötzlich fand sich Feyerabend in der Rolle des Hauptgegners und -feindes der etablierten wissenschaftsphilosophischen Ansätze wieder. Er hatte offenbar nicht mit einer so breiten und heftigen Reaktion gerechnet und empfand die oft scharfe Ablehnung seines Werkes als verletzend: „Mein Privatleben war ein Scherbenhaufen, ich war ohne Schutz. Ich habe oft gewünscht, daß ich dieses verfluchte Buch [englisch: „fucking book“] nie geschrieben hätte.“ [11] Als Reaktion auf die Kritik entstand Erkenntnis für freie Menschen, ein Buch, das selbst wiederum scharfe Angriffe und ein leidenschaftliches Bekenntnis zum Relativismus enthielt. Zudem vertiefte Feyerabend seine politischen Theorie, die gegen die Macht moderner Technik und Wissenschaft gerichtet war.

    Späte Jahre

    Feyerabends späte Jahre werden von ihm selbst als seine glücklichsten beschrieben. Über die 1980er Jahre lehrte Feyerabend abwechselnd in Berkeley und der ETH Zürich, eine Situation, die er sehr genoss. Zudem lernte er 1983 Grazia Borrini bei einer Vorlesung kennen. Sie heirateten sechs Jahre später und blieben bis zu Feyerabends Tod zusammen. Es war Feyerabends vierte Ehe.

    Nach dem Erdbeben von San Francisco 1989 zog sich Feyerabend endgültig aus Kalifornien zurück, ein Jahr später wurde er auch an der ETH Zürich emeritiert. „Ich vergaß die 35 Jahre meiner akademischen Karriere fast so schnell wie ich den Militärdienst vergessen hatte. Heute fällt es mir schwer zu glauben, daß ich noch vor fünf Jahren an zwei wissenschaftlichen Institutionen, einer in Europa, einer in Kalifornien, unterrichtet habe.“ [12] In den 1980er und 1990er Jahren hat Feyerabend eine große Zahl an Aufsätzen publiziert, seine letzte große Arbeit sollte die Autobiographie Zeitverschwendung (Originaltitel: Killing Time) werden, an der er bis kurz vor seinem Tode schrieb. 1993 wurde bei Feyerabend ein Hirntumor dignostiziert; am 11. Februar 1994 starb er in einer Klinik am Genfersee.

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

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