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Uranus und das Kantische Evangelium
„Am Freitag den 13. März, zwischen zehn und elf Uhr abends, ..., nahm ich einen Stern wahr, der ausgedehnter als die anderen erschien. Von seiner ungewöhnlichen Helligkeit überreascht ... mutmaßte ich, es wäre ein Komet.“
Diese Entdeckungsnachricht wurde auf der Sitzung der „Royal Society of London“ am 26. April 1781 verlesen und ihr Verfasser war Friedrich Wilhelm Herschel (1738 – 1892). Herrschel glaubte einen Kometen entdeckt zu haben. Aber schon bald, nach einer anfänglichen Skepsis, wurde das neu entdekcte Objekt als Planet eingestuft.
1781 war nicht nur Uranus sondern auch Herschel selbst eine Neuentdeckung.
Im Mai 1781 erscheint in Königsberg die Kritik der reinen Vernunft von Immanuel Kant.
Für den von ihm gefundenen Planeten schlug Herschel den Namen „Georgium Sidus“ zu Ehren des englichen Königs Georg III. vor. Aber wie so oft in der Geschichte der Astronomie/Astrologie kam es anders. Die Fachwelt nahm den von dem Berliner Astronomen Bode, der sich intensiv mit der Neuentdeckung befaßt hatte, vorgeschlagenen Namen Uranus an.
Anita Cortesi
www.cortesi.ch
schreibt dazu:
Uranus
Der Planet Uranus wurde 1781 entdeckt. Mit einer durchschnittlichen Entfernung von 3 Milliarden Kilometern ist er gut doppelt so weit entfernt wie der Saturn. Er benötigt eine Umlaufzeit von 84 Jahren.
Astrologisch interessant ist der Zeitpunkt seiner Entdeckung kurz vor der Französischen Revolution, gehören doch die Schlagworte "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" dieser bedeutungsvollen geschichtlichen Episode zur Symbolik des Uranus.
Uranus verkörpert den "Windgeist" in uns, der durch beständige Veränderung psychisches Wachstum will. Er steht für eine innere Unruhe, die uns immer wieder zu Neuem antreibt, die uns Abwechslung und neue Erfahrungen suchen läßt und uns vor dem psychischen und physischen Stillstand bewahrt.
Er bringt Aha-Erlebnisse und Geistesblitze, und wir mögen staunen, daß wir nicht schon längst darauf gekommen sind. Ohne Uranus keine Erfindungen.
Uranus ist der erste transsaturnische oder geistige Planet und gewissermaßen eine höhere Oktave des Merkur. Er bringt uns neue Erkenntnisse. Wir können den Uranusteil in uns jedoch nie so beherrschen wie die anderen bisher beschriebenen Prinzipien. Wir können uns nur diesem Prinzip öffnen und die gewonnenen Ideen und Einsichten in unser Leben zu integrieren versuchen.
So sind denn auch utopische Ideen und die Weigerung, sich auf ein konkretes Projekt einzulassen, sich zu verpflichten und dadurch alle anderen Möglichkeiten auszuschließen, typische Uranus-Zerrformen. Auch innere Unruhe, Rebellion und Veränderung um der Veränderung willen oder - bei einer eher pragmatischen Lebenseinstellung aufregende und streßige Ereignisse gehören zu den negativen Seiten des Uranus-Prinzips.
Im positiven öffnet er uns Augen und Sinn für neue Möglichkeiten sowie für ein kollektives Zusammenleben.
Das Zeichen Wassermann und das elfte Haus werden dem Uranus zugeordnet.
Zurück zu Kant:
Die Rezeption der Kritik der reinen Vernunft war besonders intensiv in der Jenaer Universität. Verschiedenste Fachrichtungsvertreter setzen sich mit Kant auseinander, woraus eine Bewegung der Aufnahme und Aneignung der Kritischen Philosophie Kants wird, die innerhalb weniger Jahre die philosophische Landschaft Deutschlands grundlegend revolutioniert (Uranus ante portas). Es war eine Bewegung, die binnen kurzem die verschiedensten Disziplinen, vor allem Theologie, Rechtswissenschaft und Medizin umbricht und impulsiert. Eine vollständig neue Orientierung ist das Ergebnis einer intensiven Diskussion um die erkenntnistheoretische und methodische Forschungssituation der geistes- und naturwissenschaftlichen Forschung an der Universität Jena und darüber hinaus. Die damals verbreitete Rede vom „Kantischen Evangelium“ bringt die damals hochgespannten Erwartungen zum Ausdruck, von denen der Jenaer Frühkantianismus beflügelt wurde. Die Redewendung „das Kantische Evangelium“ wurde im Jena der 90iger Jahre des 18. Jahrhunderts mit durchaus unterschiedlichem Tonfall gebraucht. Während Reinhold mit ungebrochenem Pathos von dem „Neuen Evangelium der reinen Vernunft“ sprechen kann, das „den Reichen und Mächtigen der gegenwärtigen philosophischen Welt“ verschlossen geblieben sei, scheint bei dem Weimarer Minister Voigt und bei seinem Adressaten Goethe eine leise Ironie mitzuschwingen, wenn von dem „Kantischen Evangelium“ die Rede ist.
Herausragend für diese Revolutionsbewegung war der 23jährige Privatdozent Carl Christian Erhard Schmid, der ab dem Wintersemester 1785/86 an der Universität Jena eine Vorlesung über die 3 Jahre vorher erschienene Kritik der Reinen Vernunft abhielt. Damit begann die revolutionär-geistige Bewegung die rasch zu einem breiten Strom anschwoll, die philosophische Landschaft Deutschlands vollständig verwandelte, und Jena etwa für 20 Jahre zum Mittelpunkt der philosophischen Welt machte. Seit jener Zeit ist der Name Jena aus der Philosophiegeschichte nicht mehr wegzudenken.
Am 1. Januar 1785 erschien die erste Nummer des Journals „Allgemeine Literaturzeitung“ in Jena. Herausgeber waren u.a. Christoph Martin Wieland, Friedrich Justin Bertuch und Chrisitan Gottfried Schütz. Neben vielem anderen beabsichtigten sie eine vollständige Übersicht der Kantischen Grundsätze und der dadurch bewirkten Veränderungen im Bezirke der Weltweisheit zu geben (Allgemeine Literaturzeitung Bd. I – 1785, Nr. 17, 21. Jan., Jena und Leipzig, S. 21).
Kant fand in der ALZ ein gesellschaftliches Vermittlungs- und Transformationsmedium, das dem Grundgedanken seiner Philosophie, der Moralität einer im menschlichen Subjekt begründete metaphysische Grundlage zu geben, bereitwillig folgte.
Die Verbreitung der Philosophie Kants wurde durch die ALZ dadurch gefördert, daß der weitere stufenweise Ausbau seines philosophischen Systems in nahezu zwei Jahrzehnten durch rasche und hinreichend ausführliche Rezensionen begleitet wird.
Folgt man der Deutung des Uranus in der Astrologie, wäre Kant vermutlich der erste uranische Vertreter in der Menschheitsgeschichte nach dessen Entdeckung.
Von dem kleinen thüringischen Städtchen Jena aus wurde also im ausgehenden 18. Jahrhundert die Kantsche Philosophie nachhaltiger verbreitet als vom Lebens- und unmittelbaren Lehrort des Königsberger Philosophen selbst. Hierzu gehörten auch Rechtswissenschaftler. Zu nennen sind hier die mit der Jenaer Universität in der Wirkungszeit des Frühkantianismus verbundenen Gelehrten Paul Johann Anselm Feuerbach, Gottlieb Hufeland und Anton Friedrich Justus Thibaut.
Kants Philosophie wirkte auf die wesentlichen Bereiche der Rechtsordnung – das Privatrecht, das Staats- und Verfassungsrecht und das Strafrecht besonders nachhaltig. Vor allem im Privatrecht legten Kants Rechtsauffassungen die Grundlagen für den wissenschaftlichen Umgang mit dem Recht. An Kants Ideen anknüpfende Männer wie Gustav Hugo, Anton Friedrich Justus Thibaut und Friedrich Carl von Savigy haben im Privatrecht gewirkt wie die Kantianer Carl Grolman und Paul Johann Anselm Feuerbach auf strafrechtlichem Gebiet oder im Staatsrecht Gottlieb Hufeland und Theodor Schmalz.
Wie bei Uranus allgemein üblich hat sein erster Vertreter nach seiner Entdeckung, Immanuel Kant, die ganze geistige Welt volständig revolutioniert.
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