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Kapitel 10: Viel Feind , viel Ehr – 186 Naturwissenschaftler erklären die „Astrologie zur „Scharlatanerie“ und Prof. Carl Friedrich von Weizsäcker
Viel Feind, viel Ehr – 186 Naturwissenschaftler, darunter 18 Nobelpreisträger, gegen die Astrologie:
Fundstelle: Septemberausgabe 1975 der amerikanischen Zeitschrift „Humanist“ – Einwände gegen die Astrologie - :
„Wissenschaftler aus vielen Fachgebieten sind besorgt über die zunehmende Akzeptanz der Astrologie in vielen Teilen der Welt. Wir, die Unterzeichner – Astronomen, Astrophysiker und andere Wissenschaftler – möchten die Öffentlichkeit davor warnen, die Vorhersagen und Ratschläge, die öffentlich und privat von Astrologen erteilt werden, unhinterfragt anzunehmen ...
Es sollte deutlich sein, daß diejenigen, die weiterhin Vertrauen in die Astrolgie setzen, dies entgegen der Tatsache tun, daß es keine bewiesene wissenschaftliche Grundlage für ihre Überzeugungen gibt und sogar starke Beweise für das Gegenteil existieren.“
Carl Sagan: „Ich sehe mich nicht in der Lage, das Statement „Einwände gegen die Astrologie“ zu unterschreiben – nicht, weil ich das Gefühl habe, die Astrologie hätte irgendeinen Wert, sondern weil ich den Ton des Statements als autoritär empfinde ... daß wir uns keinen Mechanismus für die Astrologie denken können, ist relevant, aber nicht überzeugend.“
Fundstelle: Reader’s Forum: Humanist, Band 36, Nr. 1, Jan./Feb. 1976
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In Reaktion auf die Erklärung der 186 Naturwissenschaftlern 1975 gegen die Astrologie wurde im 2. Programm des Südwestfunks am 07. Januar 1976 ein Interview mit Prof. Carl Friedrich von Weizsäcker (CFW) zur Astrologie ausgestrahlt.
Am 28. Juni 1912 in Kiel als ältester Sohn des Korvettenkapitäns und später ranghohen deutschen Diplomaten Ernst von Weizsäcker geboren, verbrachte Carl Friedrich seine Schulzeit in Wilhelmshaven, Stuttgart, Den Haag, Basel, Kopenhagen sowie Berlin. Er studierte von 1929 bis 1933 Physik an den Universitäten Berlin, Göttingen und Leipzig, stark geprägt durch die damaligen Arbeiten großer Theoretiker wie Schrödinger und vor allem Heisenberg, dessen Schüler und persönlicher Freund er war.
Während der Promotion und Habilitation in Leipzig beschäftigte sich Weizsäcker intensiv mit der Kernphysik, wovon uns bis heute die Bethe-Weizsäckersche Massenformel erhalten blieb, welche das Verhältnis der Kernmassen und Bindungsenergien zur Anzahl der Protonen und Neutronen stabiler oder instabiler Atomkerne angibt.
Nach dem Krieg beschäftigte sich Carl Friedrich von Weizsäcker mit der Frage nach der Verantwortung der Wissenschaft im Atomzeitalter. Von 1946 an war er elf Jahre lang Abteilungsleiter des Max-Planck-Instituts für Physik in Göttingen und Honorarprofessor an der dortigen Universität. Zunehmend mehr gerieten philosophische und politische Themen ins Zentrum seines Denkens und Schreibens. Im April 1957 machte das Manifest der so genannten "Göttinger Achtzehn" Furore, in welchem sich Atomforscher vehement gegen eine deutsche Atombombe aussprachen. Weizsäcker war wesentlich an der Formulierung der Erklärung sowie an der nachfolgenden Aussprache mit der Bundesregierung beteiligt.
Von 1957 bis 1969 lehrte er in Hamburg Philosophie (Schwerpunkt: Platon und Kant). In diese Zeit fallen Weizsäckers Äußerungen zur Entwicklung von Sternen (1959) und zu einer ganzheitlichen, Mensch und Natur mit einbeziehenden Weltformel (1966). Gleichzeitig leitete er zehn Jahre die Deutschen Gesellschaft für Friedens- und Konfliktforschung, die sich mit Kriegsverhütung und der Ernährungslage in der Welt befasste. Einige Jahre später übernahm er den Vorsitz im Verwaltungsrat des Deutschen Entwicklungsdienstes. Weizsäcker verließ die Hansestadt, um Direktor des eigens für ihn geschaffenen Max-Planck-Instituts zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt in Starnberg zu werden, das er gemeinsam mit dem Philosophen Jürgen Habermas leitete (u. a. arbeitete hier Herbert Marcuse). Themen wie die Gefahr eines Atomkrieges, die Umweltzerstörung oder der Nord-Süd-Konflikt standen im Mittelpunkt der Forschungen.
Bis dahin setzte er sich vor allem mit den ethischen Problemen der Naturwissenschaften und mit Fragen einer humanen Zukunftsgestaltung auseinander. Dabei versuchte er, sein physikalisches Weltbild in ein Gesamtkonzept von Wirklichkeit zu integrieren (Die Einheit der Natur, 1971). Außerdem interessierte ihn im Bereich der Mikrophysik vorrangig die Frage nach den Bindungsenergien von Atomkernen und im Bereich der Makrophysik das Problem von Energieabgabe und -verteilung bei Sternen. Seine Aktivitäten nach dem Krieg verkörpern seinen philosophischen Kern der Einheit von Wahrnehmen und Handeln.
Inhalt der Rundfunksendung vom 7. Januar 1976:
CFW berichtete darüber, daß er in den Straßburger Fakultätszusammenhängen von Prof. Bender im Jahre 1943 an einem Seminar von Thomas Ring teilgenommen hatte und dort die Astrologie gelernt hätte. Er hat selber ca. 60 Horoskope ausgearbeitet und nach den von Ring gelernten Regeln gedeutet. Wenn er damals das Ausgearbeitete mit dem verglich, was er von dem betreffenden Menschen wußte, kam er zu dem Schluß, daß an der Astrolgie wohl was dran war, nach seinen Worten eine Art „Gestaltwahrnehmung“. Interessant war in dem Interview, daß Thomas Ring in seiner (CFW’s)Wahrnehmung die Astrologie künstlerisch behandelte und daß Ring für ihn so eine Art „Weiser“ war.
CFW konnte sich als Physiker keinen Vers darauf machen, was nach seiner Auffassung eigentlich der Fall hätte sein müssen, wenn die Astrologie empirisch wahr wäre. Er habe andererseits den Eindruck gewonnen, einfach in der Beschäftigung damit, daß empirisch etwas dran ist.
CFW: „Ich bin zwar skeptisch gegen die Astrologen, ich bin aber auch skeptisch gegen die Meinung der Physiker, nur das kann wahr sein, was sie selber schon verstanden haben.“
CFW berichtete dann von einem Mitarbeiter, der astrologiegläubig war und diese gern beweisen wollte. CFW hat ihm dann eine sorgfältige statistische Prüfung horoskopischer Zusammenhänge ermöglicht, ihm aber gleichzeitig vorausgesagt, daß mit statistischen Methoden die Astrologie nicht beweisbar sei. Nach Abschluß seiner Arbeit war dieser Mitarbeiter dann von der Astrologie völlig geheilt. Die ganzen statistischen Korrelationen, die die Astrologen behaupten, stellten sich ausschließlich als schlecht ausgewertete Statistik heraus. Zusammenfassend ist nach Auffassung von CFW die Naturwissenschaft nicht weit genug entwickelt, um sagen zu können, daß die Astrologie nicht wahr ist und auch nicht weit genug entwickelt, um sagen zu können, welche Zusammenhänge astrologischer Art bestehen, wenn die Astrologie wahr ist.
Paul Feyerabend: „Das Urteil der 186 führenden Wissenschaftler beruht auf einer vorsintflutlichen Anthropologie, einer Unkenntnis der neueren Ergebnisse auf ihren eigenen Fachgebieten (Astronomie, Biologie und die Verbindungsfächer zwischen den beiden) sowie auf der Unfähigkeit, aus den Ergebnissen, die ihnen bekannt sind, Schlußfolgerungen zu ziehen. Es zeigt, in welchem Ausmaß Wissenschaftler bereit sind, ihre Autorität auch auf Gebieten geltend zu machen, von denen sie nicht die geringste Ahnung haben.“
Fundstelle: Feyerabend, Paul: Erkenntnis für freie Menschen. Suhrkamp 1980.
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