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Rezensionsentwurf für “Astroforum Sternzeit”:
Über den Autor William Lilly (1602 1681) ist unbestritten der bekannteste Astrologe Englands, der zu Lebzeiten nicht nur spektakuläre Prophezeiungen gemacht hat, sondern auch zahlreiche Schriften veröffentlichte. Christian Astrology ist mit nahezu 1000 Druckseiten sein Hauptwerk, das mit dieser Ausgabe erstmals auf Deutsch vorliegt. Den Titel hat Lilly dem Werk nur gegeben, um vor kirchlicher Verfolgung sicher zu sein.
Reinhardt Stiehles Lilly, Buch 3:
In Astro-Forum Sternzeit, Ausgabe 32 – 3. Quartal 2007 hatte Bianca Schmale Bücher 1 und 2 der Christlichen Astrologie von William Lilly besprochen. Nunmehr ist Buch 3 in der Übersetzung von Waltraud Matouschek und Reinhardt Stiehle wiederum in der Klassiker-Reihe des Chiron Verlages erschienen. Damit ist das berühmte Lehrwerk „Christian Astrology“ vollständig in Deutsch verfügbar.
Das besondere an diesem Band 3 ist nun nicht die gelungene Übersetzung dieses weltberühmten Werkes von Lilly, obwohl allein die Tatsache der Übersetzung in der heutigen Zeit höchstes Lob seitens des Rezensenten rechtfertigen würde. Die wenigsten Leser eines solchen Buches werden wissen, dass nur der Idealismus des Übersetzers und Verlegers Reinhardt Stiehle ein solch umfängliches Unterfangen ermöglicht hat. Aber das wirklich Besondere sind in diesem Band 3 die Anmerkungen, die Reinhardt Stiehle dem Buch hinzugefügt hat. Von Seite 452 bis Seite 490 legt Stiehle gewissermaßen nebenbei eine höchst faszinierende Geschichte der Astrologie vor. Hier werden die Ergebnisse mühsamster Recherche in leicht lesbarer Form zu vielen besonderen Einzelheiten der Geschichte der Astrologen aufbereitet. So wird z.B. in Anmerkung 215 über Guido Bonatus, auch Bonatti genannt, berichtet, dem Astrologen, den Dante als einen der Leidenden im vierten Teil des achten Kreises des Infernos beschreibt, oder in Anmerkung 218 der Hinweis auf Jerome Cardan, auch Cardanus genannt.
Die Anmerkungen sind insgesamt ein who was who der berühmten Astrologen im zweiten Jahrtausend der Zeitrechnung. Jedem astrologisch-geschichtlich Interessierten eröffnet sich damit eine fantastische Möglichkeit zu weiterführender Lektüre auf der Basis von Stiehles recherchierten Einzelheiten.
Beispielhaft sei die Anmerkung 293 zitiert:
„Valentinus Naibod oder Nabod (1510-1593), Professor für Mathematik, der viele Bücher über Astrologie schrieb, einschließlich Kommentaren zu Ptolemäus, Alcabitius und zur Arabischen Astrologie. Er ist der Urheber des Naibod-Bogen von 0°59’08’’ bei Direktionen. Am Ende erlitt er einen tragischen Tod. In seinem Horoskop sah er, dass ihm eine gefahrvolle Zeit bevorstand. Deswegen besorgte er Essensvorräte, schloss die Fensterläden und verriegelte die Türen, um zu warten, bis die Zeit vorbei wäre. Einbrecher hielten das Haus für verlassen, drangen ein und fanden Naibod. Sie töteten ihn, damit er sie nicht mehr verraten konnte.“
351 Anmerkungen bilden diesen Bonus, den wir Reinhardt Stiehle verdanken. Den wenigsten Astrologen ist klar, wie dankbar wir sein dürfen, dass Astronova und ChironVerlag in Deutschland für eine solch hohe astrologische Buchkultur sorgen.
Der Text von Lilly selber in Buch 3 seiner „Christlichen Astrologie“ führt von Kapitel 98 bis 185 in die Gesamtthematik der Deutung von Geburtshoroskopen, wie Lilly sie praktizierte, ein.
Es beginnt mit der Darstellung der seinerzeitigen Methoden der Geburtszeitkorrektur, wobei ich besonders die Darstellung des Animodars faszinierend fand. Auch dass Lilly mit Hyleg gearbeitet hat, dem lebensspendenden Planeten, mag für manchen Astrologen die Tür zur Klassik ein Stück weit aufmachen.
Im übrigen erlaubt uns Lilly einen Blick in seine Prognosetechnik mit Profektionen, Transiten, Revolutionen und Progressionen.
Ausführliche Deutungstexte ,an Praxisbeispielen dargestellt, lassen eine Ahnung zu, wie hochstehend die Kunst dieses Astrologen des 17. Jahrhunderts ausgereift war.
In der Liste der meisten Autoren seiner Zeit auf Seite 426 ff. gibt es dann eine alphabetische Aufstellung der Astrologen, auf die die Anmerkungen von Stiehle eingehen.
Abgerundet wird das Buch durch eine Kurzbiographie zu Leben und Werk von William Lilly aus der Feder von Reinhardt Stiehle.
Das Buch 3 der Christlichen Astrologie kann auch ohne die Bücher 1 und 2 mit großem Gewinn benutzt werden, sowohl für den praktizierenden Astrologen heutiger Zeit wie auch vom interessierten Astrologiehistoriker. Ein echter Klassiker. Dank an Reinhardt Stiehle für diese Wahnsinnsarbeit.
Volker H. Schendel
www.vhschendel.de
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